Sehr geehrter Herr Kreispräsident,
sehr geehrter Herr Landrat,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Verwaltung und Gäste,
wenn wir heute über den Haushalt 2026 sprechen, sprechen wir nicht nur über Zahlen.
Das hat auch unser Ausschussvorsitzender (Peter Wittenhorst) hervorragend gemacht.
Wir sprechen über die Zukunft eines Kreises, der zu den schönsten Landstrichen im Norden gehört:
über ein Stück Schleswig-Holstein, das Menschen durch seine Weite und Ruhe seit Generationen prägt und zusammenhalten lässt, wenn es darauf ankommt, und in dem Menschen gemeinsam anpacken können.
Diese Haltung ist unser größtes Kapital – gerade in schwierigen Zeiten.
Denn ja: Wir stehen vor großen Herausforderungen.
Wir sehen steigende Ausgaben und hohe Kosten, immer mehr Aufgaben und ein zukünftig wachsendes Defizit. Die fetten Jahre sind vorbei. Es gibt einen riesigen Fachkräftemangel und kaputte Infrastruktur, globale Krisen kommen auch bei uns an und fordern einen Katastrophen- und Bevölkerungsschutz, wie wir ihn nicht mehr kennen.
Wir müssen verantwortungsvoll haushalten – ohne unsere Zukunft zu verspielen.
Die Verwaltung hat dafür eine solide Grundlage gelegt. Dafür danken wir ausdrücklich.
In Zukunft müssen wir mehr denn je abwägen – klug, solidarisch und gemeinsam, über Parteigrenzen hinweg und mit der Verwaltung.
Ein wachsendes Defizit zwingt uns nicht zu blinder Sparpolitik.
Es zwingt uns, besser zu priorisieren – mit Augenmaß, Bescheidenheit und Mut zur Veränderung.
Die Frage lautet nicht nur: Was kostet uns etwas?
Sondern vor allem:
Was kostet es uns, wenn wir etwas nicht tun?
Dafür haben wir eine gemeinsame Arbeitsgruppe gebildet, die sich ohne Scheuklappen anschauen soll:
Wie priorisieren wir, und wo wird das knappe Geld zuerst gebraucht? Welche neuen Ideen können sinnvoll etabliert werden? Was müssen wir aufschieben oder verändern? Wo können wir entbürokratisieren, und von was müssen wir uns vielleicht auch trennen?
Das tut manchmal weh und fordert Mut. Denn was wiegt mehr:
alten Menschen Teilhabe ermöglichen durch Rufbusse oder Erinnerungskultur und kulturelle Bildung durch Museen fördern?
Allen Kindern Zeltlager ermöglichen oder Integration durch Sprachkurse fördern?
Oder für alle ein bisschen Geld, aber nie genug, um es richtig gut zu machen?
Deshalb ist es gerade in Zeiten steigender Defizite besonders wichtig, dass wir in Bereiche investieren, die langfristig Geld sparen oder generieren und Perspektiven schaffen.
Die Energiewende gehört unbestreitbar dazu.
Unser Kreis hat etwas, das unbezahlbar ist: eine Natur, die nicht nur schön ist und Touristen lockt, sondern auch eine enorme Energiequelle ist.
Wind, Sonne, Biomasse – all das finden wir hier in einer Kombination, die deutschlandweit einzigartig ist.
Die Energiewende ist für uns kein abstraktes Projekt –
sie schützt genau das, was diesen Kreis so besonders macht.
Sie ist Motor für regionale Wertschöpfung, zukunftsfähige Arbeitsplätze, stabile Energiepreise und den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.
Dort sollten wir auch investieren.
Und mit dem solidarischen Blick, der immer fragt:
„Was nützt es dem Kreis als Ganzem?“
wird jeder investierte Euro wirken – für unsere Kinder, Enkel und für die Zukunft dieses einzigartigen Landstrichs.
Mobilität ist für uns im ländlichen Raum oft keine Wahl, sondern Voraussetzung für Teilhabe und auch Wirtschaftlichkeit. Wie kommen wir zur Arbeit, und wie kommt der Lehrling zur Berufsschule? Wie kommt jemand ohne Auto zum Arzt oder ins Theater?
Deshalb setzen wir uns weiter für starken ÖPNV, funktionierende On-Demand-Angebote, sichere Radwege und barrierefreie Mobilität ein.
Auch hier gilt:
Investitionen rechnen sich auf Dauer – nicht nur finanziell, sondern besonders gesellschaftlich.
Die Menschen im Kreis Schleswig-Flensburg halten zusammen – das erleben wir immer wieder, z. B. bei der Sturmflut 2023.
Gerade in schwierigen Zeiten müssen wir dafür sorgen, dass diese Strukturen stabil bleiben.
Dieses Zusammenhalten verdient eine soziale Infrastruktur, die niemanden hängen lässt: in der Kinder- und Jugendhilfe, bei der Integration, in Zeiten des demografischen Wandels in der Senior*innenarbeit, bei Beratung und Prävention. Zusammenhalt entsteht nicht zufällig – er ist gelebter Ausdruck auch unserer Politik!
Moderne Schulen, digitale Verwaltung, energieeffiziente Gebäude, Bildung und Integration, Dorfkümmerer und Stärkung des Ehrenamtes – das sind Grundlagen, keine Extras oder „Nice to have“!
Mit ihnen sichern wir Zukunftsfähigkeit und vermeiden hohe Folgekosten.
Deshalb gilt bei allem:
- Nicht einfach immer mehr, sondern klug vernetzt und vielleicht öfter bescheiden.
- Nicht teurer, sondern nachhaltiger – und deshalb auf die Dauer billiger.
Wir können Schleswig-Flensburg zu einem Kreis machen, der die Energiewende nutzt, um Natur, Wirtschaft und Tourismus zu stärken, sozial zusammenhält und mutig in die Zukunft geht.
Wir haben es schon bewiesen, z. B. beim Wikinger-Eck – wir können das!
Und natürlich wollen wir nicht verschweigen: Bund und Land müssen ebenfalls in die Verantwortung gehen und uns nicht immer mehr aufbürden. Sie können z. B. das Konnexitätsprinzip rechtssicher machen, das Altschuldenproblem nachhaltig lösen,
die Gestaltungsmöglichkeiten bei kommunalen Steuern erweitern,
die Steuerverteilung fairer gestalten,
mehr Gerechtigkeit beim Finanzausgleich schaffen,
einfachere Zugänge zu Förderprogrammen entwickeln
und Kommunen eine aktivere Boden- und Wohnraumpolitik ermöglichen.
Wir Grünen wollen mit euch diese Zukunft gemeinsam gestalten.
Mit Verantwortung und Realismus – und mit der Gelassenheit und Solidarität, die unsere Region seit jeher trägt.
Wir stimmen dem Haushaltsentwurf zu.
Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit.