Bei der 9. Sitzung des Kreistages am 26.03.2025, hielt unsere Fraktionsvorsitzende Uta Bergfeld folgende Rede zum zur „Erklärung zum CCS-freien Kreis“.
Die Unterzeichnung der Erklärung wurde mehrheitlich beschlossen.
Sehr geehrter Herr Kreispräsident , liebe Kolleginnen und Kollegen,
Vorweg möchte ich sagen: wir werden der Erklärung zustimmen, um ein klares Zeichen zu setzen, das es auch unter der neuen Bundesregierung kein Zurück geben darf zu fossilen Energien.
Das der Klimaschutz ganz oben stehen muss als eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit um unser Leben zu schützen.
Vor zehn Jahren hätte ich als damalige Sprecherin der Bürgerinitiative gegen Ölbohren in Angeln hier gestanden und CCS rundheraus abgelehnt. Damals sollte die Technologie der Kohle- und Gasindustrie ein Weiter-so ermöglichen. Heute stehen wir an einem völlig anderen Punkt:
Der Kohleausstieg ist beschlossen, die Erneuerbaren boomen, und wir sprechen über die letzten, hartnäckigen Prozente auf dem Weg zur Klimaneutralität.
Aber die Dinge sind wie meist komplexer:
Die hiesige Landesregierung hat unter Schwarz-Grün lange um ein realitätsnahes und sorgsames Konzept für eventuell notwendige unvermeidbare Restemmissionen und ihre Verpressung mit höchsten ökologischen Standards gerungen, um das Ziel, Schleswig-Holstein bis zum Jahr 2040 zum ersten klimaneutralen Industrieland zu entwickeln, wirklich zu erreichen.
Ehrlichkeitshalber: Wir haben als Kreis bei diesem Thema wenig Einfluss. Die Bundes- und Landespolitik wird den Takt hier vorgeben und ich muss sagen:
Wir Grüne haben große Sorgen, das in den nächsten 4 Jahren Klimaschutz nicht so prominent wie nötig berücksichtigt wird!
Die Klimakrise erfordert von uns alle Optionen sachlich zu prüfen. Und sie erfordert auch, klare Prioritäten zu setzen. CCS ist kein Wundermittel und darf niemals zum Ersatz für konsequenten Klimaschutz werden.
1,1 Grad Celsius – so weit ist die globale Durchschnittstemperatur bereits gestiegen. Die Folgen spüren wir auch hier bei uns: Starkregenereignisse, Dürreperioden, steigende Meeresspiegel.
Doch selbst bei maximalen Anstrengungen werden etwa 5% unvermeidbarer Restemissionen bleiben – etwa in der Zementindustrie oder der Abfallwirtschaft. Und genau hier müssen wir ehrlich diskutieren: Was tun wir mit diesen letzten Prozenten?
Für uns Grüne ist die Antwort deswegen klar:
Wir brauchen eine klare Hierarchie des Handelns.
An erster Stelle – und das mit weitem Abstand – steht die Vermeidung von CO2-Emissionen. Der konsequente Ausbau der Erneuerbaren, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Mobilität und Landwirtschaft. Hier müssen wir alle Potenziale ausschöpfen, bevor wir über technische Senken nachdenken.
An zweiter Stelle stehen natürliche CO2-Speicher: Unsere Wälder, Moore, Seegraswiesen und Salzwiesen. Sie speichern nicht nur CO2, sondern schützen gleichzeitig die Artenvielfalt, bieten Hochwasserschutz und Erholungsräume. Diese natürlichen Senken müssen wir schützen, wiederherstellen und ausbauen.
Und erst an letzter Stelle – und nur für die wirklich unvermeidbaren Restemissionen – kann CCS eine Rolle spielen. Nicht als bequeme Ausrede, sondern als letzte Option, wenn alle anderen Wege ausgeschöpft sind.
Wenn wir über CCS sprechen, dann nur unter strengsten Bedingungen:
– Der Schutz von Mensch und Umwelt hat absolute Priorität.
– Keine CO2-Deponierung im Nationalpark Wattenmeer.
– Kontinuierliches Monitoring zur Früherkennung von Risiken.
– Die Kosten tragen die Verursacher, nicht die Steuerzahler oder künftige Generationen.
Wir müssen zudem verhindern, dass CCS zum Bremsklotz für echte Innovation wird. Es darf nicht dazu führen, dass Unternehmen den bequemeren Weg wählen und weiter CO2 produzieren, statt ihre Prozesse grundlegend umzustellen.
Unser Kreis kann Vorreiter sein
- für konsequenten Klimaschutz,
- für den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen und
- für einen verantwortungsvollen Umgang mit neuen Technologien.
Lassen Sie uns gemeinsam diesen Weg gehen.
Ich möchte noch einmal betonen:bei dem derzeitigen RollBack weltweit und vielleicht auch hier in Deutschland wieder hin zur Förderung fossiler Co2 produzierender Profitler unter dem Motto „Zurück zum Verbrenner“ gilt für uns:
CCS darf immer nur eine Notfalloption für die letzten Prozente sein.
Unser Fokus muss auf Vermeidung und natürliche Lösungen liegen.
Es muss ausgeschlossen werden, dass CCS als lebensverlängernde Maßnahme der fossilen Industrie missbraucht wird.
Deswegen wollen wir uns zum CCS freien Kreis erklären.
Vielen Dank.