Pressemitteilung: Übernahme des DIAKO Krankenhauses durch Malteser Norddeutschland.

Flensburg, 16. Januar 2026

Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Flensburg kritisieren den Wegfall geplanter klinischer Schwangerschaftsabbrüche in Flensburg zum 1. März 2026 durch Übernahme des DIAKO Krankenhauses durch Malteser Norddeutschland.

„Diese Entscheidung kommt für uns überraschend und ist ein herber Rückschlag für die gesundheitliche Versorgung von Frauen in der Stadt Flensburg und im ganzen Kreis Schleswig-Flensburg“, erklären Lisa Heinrich und Sönke Dibbern, Sprecher\*innen des Kreisverbandes Bündnis 90/Die Grünen.

„Das ist ein gleichstellungspolitischer Rückschritt für die Region, weil das Selbstbestimmungsrecht der Frauen hier im hohen Norden dadurch noch mehr eingeschränkt wird. Längere Wege zu einer operativen Möglichkeit einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen, stellen für viele ungewollt Schwangere eine zusätzliche Hürde da. Dies gilt besonders für sozial benachteiligte oder ländlich lebende Menschen, die auf lokale Angebote angewiesen sind“, so die Vorsitzenden.

Die beiden betonen, dass die rein katholische Trägerschaft ein Problem für eine flächendeckende, diskriminierungsfreie Gesundheitsversorgung ist, wenn diese damit einher geht, dass wichtige frauenmedizinische Leistungen nicht mehr angeboten werden.

„Auf dem künftigen Gesundheitscampus ab 2030 muss eine Lösung gefunden werden, mindestens auf dem Grundstücksanteil, der nicht in katholischer Trägerschaft liegt.“

Die Sprecherinnen der Kreistagsfraktion Sara König und Uta Bergfeld ergänzen:
„Die allgemeine gesundheitliche Versorgung für den ländlichen Raum muss zwingend erhalten werden und dafür ist der Standort in Flensburg essentiell. Wir erwarten, das die Arbeitsverträge der Angestellten erhalten bleiben und eine Lösung für neutrale Behandlungsangebote auf dem Gesundheitscampus gefunden wird.“

Die Grünen im Kreis Schleswig-Flensburg fordern das Gesundheitsministerium des Landes auf, kurzfristig alternative Versorgungsstrukturen zu schaffen und die Einrichtung alternativer, neutraler Behandlungsangebote auf dem künftigen Gesundheitscampus zu unterstützen.

Hintergrund:

Ursprünglich war eine ökumenische Trägerschaft mit der Diako vorgesehen.

Die Übernahme des Diako-Krankenhauses in Flensburg durch die katholischen Malteser zum 1. März führt zum vollständigen Wegfall stationärer Schwangerschaftsabbrüche in der Stadt. Künftig sollen dort keine operative Schwangerschaftsabbrüche mehr durchgeführt werden – mit Ausnahme lebensbedrohlicher Notsituationen für die Schwangere.

Gleichzeitig soll der katholische Träger auch die alleinige Verantwortung für das geplante neue Klinikum, das 2030 am Peelwatt entstehen soll, übernehmen.

In den letzten Jahren wurden in der DIAKO operative Abbrüche durchgeführt (2023: in über 70 Fällen, 2024: in über 50 Fällen, 2025 bis September bereits in über 50 Fällen), während die niedergelassenen Frauenärzt*innen primär medikamentöse Abbrüche in ihren Praxen durchführen – nur eine kleine Anzahl bietet die operative Methode an.

Uta Bergfeld, Bündnis90/DIE GRÜNEN, Fraktionsvorsitzende im Kreis Schleswig-Flensburg, Mobil 01758112448 uta.bergfeld@gruene-sl-fl.de